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Story




Alfasud

Im Jahre 1972 kommen zwei völlig neue Alfa Romeo Modelle auf den Markt, die die nachfolgenden Modelle der milaneser Marke bis Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts prägen sollen: die Alfetta und der Alfasud. Mit dem Alfasud gelingt dem österreichischen Ingenieur Rudolf Hruska ein Meisterstück. Das Konzept des neuen kompakten Alfa Romeo ist wegweisend für seine Klasse, die man später "Golf-Klasse" nennen wird (dabei ist der Alfasud zwei Jahre früher als der Golf auf dem Markt).


Alfasud

Alfasud L

Alfasud ti Serie I

Alfasud Sprint

Das charakteristischste Merkmal des Alfasud ist sicher sein Vierzylinder-Boxermotor (mit je einer per Zahnriemen angetriebenen obenliegenden Nockenwelle), der die Vorderräder antreibt. Ein Novum bei Alfa Romeo. Durch dieses Raum sparende Konzept steht den Insassen ein für diese Klasse sehr großer Innenraum zur Verfügung. Ganz in der Tradition der Giulietta aus den Fünfzigern ist auch der Alfasud als äußerst sportliche viertürige Familien-Limousine konstruiert, die mit ihrem niedrigen Schwerpunkt und der standfesten Bremsanlage mit damals noch äußerst unüblichen vier Scheibenbremsen (die vorderen Scheiben sind am Getriebe angeblockt) der Konkurrenz auf und davon fährt.


Alfasud Giardinetta

Alfasud Super

Alfasud ti Serie II

Alfasud Sprint Veloce 1.5

Der 1186 cm3 große Boxermotor leistet 63 PS. 1973 stellt Alfa Romeo dem Alfasud den sportlichen und nur zweitürig erhältlichen Alfasud ti zur Seite, der mit 68 PS und allerhand sportlichem Zubehör wie Spoilern, Drehzahlmesser usw. glänzen kann. Alfa Romeo baut den Alfasud in der Folgezeit wie schon die Baureihe 105 ein Jahrzehnt vorher zur kompletten Modellfamilie aus und schiebt 1975 den Alfasud Giardinetta, einen kleinen, dreitürigen Kombi nach. Ein Jahr später, 1976, wird dann der Alfasud Sprint präsentiert. Mit ihm feiert ein auf 1286 cm3 vergrößerter Motor mit 75 PS Premiere.

Bald darauf wird der leistungshungrigen Kundschaft dieser Motor auch im Alfasud ti angeboten. 1977 erhält der Alfasud seine erste Überarbeitung und wird zum Alfasud Super. Neue Stoßstangen mit Gummiauflage, ein komplett überarbeitetes Interieur und ein neues Armaturenbrett werten den Alfasud Super auf. 1978 dann wird auch der ti überarbeitet und erhält wahlweise, wie auch der Sprint einen 1.5 Liter Motor mit 84 PS, den es später auch im Alfasud Super geben wird. Wurde bisher immer nur maximal ein Doppelvergaser verbaut, so zündet Alfa Romeo 1979 eine weitere Leistungsstufe und stattet die 1.3 und 1.5 Liter Boxermotor fortan in den stärksten Alfasud Sprints, die den Beinamen Veloce tragen, nun mit zwei Doppelvergasern aus. Die Leistung steigt so auf 86 respektive 95 PS.


Alfasud Serie III

Alfasud Ti Serie III

Serie III mit Heckklappe

Alfasud Ti Serie III mit HK

Zwischenzeitlich ist es wieder einmal Zeit für eine optische Überarbeitung des Alfasuds. So wird 1980 die dritte Serie des Alfasud / Alfasud ti vorgestellt. Ganz im Stil der 80er hat der neue Alfasud breite Kunststoffstoßstangen, größere Leuchten rundum und ein neues Armaturenbrett. Chrom sucht man nun vergebens am Alfasud. 1981 dann nimmt Alfa Romeo erstmals größere Änderungen an der Struktur der Karosserie vor und stattet den dreitürigen Alfasud nun mit einer großen Heckklappe anstelle des kleinen Kofferdeckels aus. 1982 gibt es dann auch einen fünftürigen Alfasud mit Heckklappe. Den Alfasud Ti gibt es nun als 1.5 QV mit auf 105 PS leistungsgesteigertem Motor - das Topmodell der Baureihe. Familien dürfen sich im gleichen Jahr über den Alfasud 1.5 Quadrifoglio Oro freuen, der mit dem 95 PS Motor des Ti und einer sehr umfangreichen Serienausstattung auf den Markt kommt.


Alfasud 1.5 Quadrifoglio Oro

Alfasud Ti 1.5 QV

Sprint 1.5 QV

Sprint 1.7 QV

Nach zehn Jahren ist es nun Zeit für einen Nachfolger des Alfasud. 1983 präsentiert Alfa Romeo den Alfa 33, eine in allen Dimensionen gewachsene Fließheck-Limousine mit großer Heckklappe auf Basis des Alfasud. Parallel dazu wird der Alfasud Sprint einem umfangreichen Facelift unterzogen und heißt fortan nur noch Sprint. Der Sprint ist nun auch im Stil der Zeit mit viel schwarzem Kunststoff versehen und bietet als Topmotorisierung den 105 PS 1.5 Liter Motor. Im Laufe der Zeit übernimmt der Sprint die Technik des Alfa 33 und erhält 1987 nochmals eine kleine Modellpflege und als stärksten Motor fortan den 1.7 Liter Boxermotor mit zwei Doppelvergasern und 114 PS. Die Produktion läuft 1989 aus. Der Alfasud ist mit 1,01 Millionen gebauten Einheiten einer der meistproduzierten Alfa Romeos - noch heute.



Alfa Romeo 33

Wie bereits erwähnt kommt 1983 der Alfa 33 (Baureihe 905) auf den Markt. Er übernimmt in den Grundzügen die Bodengruppe des Alfasud. Allerdings werden, um in der Produktion Kosten zu sparen, die Scheibenbremsen vom Getriebe an die Radnarben verlegt und der Stabilisator an der Vorderachse gestrichen. Außerdem wird eine neue Hinterachse mit Trommelbremsen verbaut. Vorerst sind zwei Motoren mit 1.2, 1.3 und 1.5 Liter Hubraum und 68, 75 bzw. 84 PS erhältlich. Ende 1983 präsentiert Alfa Romeo dann den Alfa 33 1.5 4x4 mit zuschaltbarem Allradantrieb und erhöhter Bodenfreiheit.


Alfa 33 1.5 QO

Alfa 33 1.5 4X4

Alfa 33 1.5 QV

Alfa 33 Giardinetta 1.5 4X4

Ein Jahr später gibt es auch wieder einen Kombi im Alfa-Programm, den Alfa 33 Giardinetta (wahlweise mit Allrad- oder Frontantrieb). Der 33 Giardinetta wird sich erheblich besser verkaufen als sein Vorgänger Alfasud Giardinetta. Sukzessive wird die 33 Baureihe nun um leistungsstärkere Versionen mit bis zu 105 PS ergänzt. Drei Jahre nach Markteinführung erhält der 33 1986 seine erste Überarbeitung. Der neue Jahrgang zeichnet sich durch veränderte Räder, einen neuen Kühlergrill und ein neues Armaturenbrett aus. Mittlerweile hat die Konkurrenz leistungsmäßig aufgeholt. Alfa Romeo zieht nach und stellt den 33 1.7 QV mit neuem 1.7 Liter Boxermotor mit 114 PS vor.


Alfa 33 Modellpalette 1985

Alfa 33 1.7 QV

Alfa 33 1.7 IE

Alfa 33 Sport Wagon 1.7 QV

Zwischen 1986 und 1988 kann man in Italien außerdem auch einen Alfa 33 mit Dreizylinder-Turbo-Dieselmotor bestellen. 1988 schließlich wird der Alfa 33 nochmals überarbeitet und erhält den neu entwickelten, 105 PS starken, 1.7 IE Boxermotor mit elektronischer Benzineinspritzung (Bosch Jetronic) und geregeltem Katalysator. Der Giardinetta heißt nun Sport Wagon und ist ebenfalls mit dem neuen 1.7 Liter Motor zu haben.

Für das Jahr 1990 überarbeiten die Alfa Romeo Ingenieure den 33 tiefgreifend. Sowohl der Vorderwagen als auch das Heck werden optisch stark modifiziert und dem Design von Alfa 164 und 75 angepasst. Der neue 33 ab 1990 wird intern als Baureihe 907 bezeichnet. Der Innenraum wird wieder einmal komplett überarbeitet. Fortan gibt es für die stärkeren Versionen eine Servolenkung und wahlweise auch ABS und Klimaanlage. Die Motoren werden nach und nach von Vergasern auf eine Bosch bzw. Weber IAW Einspritzanlage umgestellt. Auch einen Turbodiesel gibt es wieder für den italienischen Markt.


Alfa 33 Sport Wagon 1.7 IE QV

Alfa 33 1.5

Alfa 33 1.7 IE

Alfa 33 1.7 16V QV

Eine technische Glanzleistung ist der neue 1.7 Liter Boxer 16V Motor. Das zwischen 129 und 137 PS starke Aggregat hat vier obenliegende Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder und vier Einzeldrosselklappen und treibt das neue Topmodell Alfa 33 1.7 Boxer 16V QV an. Kurz nach Einführung des neuen 33 wird auch der Sport Wagon überarbeitet und erhält die Optik und Technik der Baureihe 907. Sowohl die Limousine als auch den Sport Wagon gibt es wieder mit zuschaltbarem Allradantrieb, der nun elektromagnetisch zugeschaltet werden kann.

1991 ergänzt Alfa Romeo das 33-Programm um das neue Topmodell 33 1.7 16V Permanent 4 mit neuem permanentem Allradantrieb und sehr sportlicher Ausstattung. 1992 wird der Permanent 4 in Q4 umbenannt und ist nun auch als Sport Wagon erhältlich. Um den Verkauf der 33 Baureihe anzukurbeln werden nun immer wieder attraktiv ausgestattete Sondermodelle auf den Markt gebracht. Als einziges dieser Sondermodelle kommt der sportlich ausgestattete 33 Imola zu uns nach Deutschland und wird zum Verkaufserfolg. Er hat den 1991 vorgestellten 1.4 IE Motor mit Weber IAW Einspritzanlage. Nach knapp einer Million verkauften Einheiten löst der Alfa 145 / 146 den Alfa 33 Ende 1994 ab.


Sport Wagon 1.7 IE

Alfa 33 1.8 TDi

Sport Wagon 1.4 IE L

Alfa 33 Imola


Alfa Romeo ARNA

Anfang der 80er Jahre glaubt man bei Alfa Romeo auch einen Kleinwagen erfolgreich vermarkten zu können. Der Alfasud steht kurz vor seiner Ablösung durch den in der Länge gewachsenen Alfa 33. Unter dem Alfa 33 bleibt also Raum für einen kleineren Alfa. Diese Lücke soll der ARNA füllen. Zur Zeit der Planung Anfang der 80er Jahre ist Alfa Romeo durch den Alfasud und dessen Qualitätsprobleme finanziell stark geschwächt. Auf der Suche nach einem potenten Partner wird man bei Nissan fündig. Gemeinsam wird am 9. Oktober 1980 in Tokio die Alfa Romeo Nissan Autoveicoli - kurz ARNA - gegründet. Man erhofft sich durch den Deal mit den Japanern eine gesteigerte (Karosserie-) Qualität und ein besseres Image auf bestimmten Märkten. Nissan wiederum erhofft sich einen bessern Zugang auf den europäischen Markt. Neben dem ARNA von Alfa Romeo gibt es nämlich noch den Nissan bzw. Datsun Cherry Europe, der dem ARNA bis auf Details wie einem anderen Kühlergrill gleicht.



Arna 1.3 Ti

Arna Armaturenbrett

Arna Edizione 85

Der Joint-Venture Vertrag zwischen Alfa Romeo und Nissan sieht vor, dass Nissan 20 % der Komponenten für das neue Alfa-Projekt liefert. Die Rohkarossen und Teile der Innenausstattung (beispielsweise Armaturenbrett und Sitzunterbau) kommen von Nissan aus Japan per Schiff nach Italien, während Alfa Romeo die restlichen 80 % der Komponenten liefert. Die bereits vorhandene und für 4-Zylinder Reihenmotoren im Quereinbau vorgesehene Cherry-Karosserie wird kurzfristig so modifiziert, dass sie den altbewährten Boxermotor und dessen Getriebe zusammen mit dem Alfasud Vorderradaufhängung aufnehmen kann. Unter der Motorhaube des in einem neu errichteten Werk in Pratola Serra in der Nähe des Alfasud-Werks in Pomigliano d'Arco gebauten ARNAs steckt daher reine Alfasud Technik. Die gesamte Vorderradaufhängung sowie Motor und Getriebe entsprechen dem Alfasud 1.2. Die Hinterradaufhängung kommt von Nissan und unterscheidet sich mit ihren an Längslenkern einzeln aufgehängten Rädern vom Alfasud-Konzept (Starrachse).

Seine Premiere feiert der ARNA auf der 50. IAA in Frankfurt im Jahr 1983 als fünftüriger ARNA 1.2 SL mit 63 PS starkem Alfasud-Motor. Eine dreitürige Variante namens ARNA 1.2 L wird ebenfalls angeboten. Man plant zu Anfang mit etwa 300 gebauten Einheiten pro Tag. Ein Jahr später werden für bestimmte Märkte der ARNA 1.3 SL mit 71 PS mit drei und fünf Türen und die beiden sportlichen, dreitürigen Varianten ARNA 1.3 Ti und ARNA 1.5 Ti mit 86 respektive 95 PS nachgeschoben. Die Ti-Modelle haben in alter Alfasud-Tradition einen schwarzen Heckspoiler und sind im Innenraum durch poppig grüne Sitzbezüge mit schwarzen Wangen in Stoff aufgewertet. Den 1.5 Ti gibt es auch als Nissan Cherry Europe GTI. In Deutschland wurde der 1.5 Ti nie verkauft. Die 1.2 Liter Versionen erhalten einen anderen Vergaser und leisten nun 68 PS. Mit der Leistungssteigerung geht eine leichte Modellpflege einher. Den Nissan Cherry (Modellcode N12) gibt es übrigens bereits seit 1982.

Leider kann das so gar nicht italienische Design des ARNA die Alfa Romeo Kundschaft nicht überzeugen und der ARNA wird zum größten Flop der Firmengeschichte Alfa Romeos. Trotz erheblich besserer Rostvorsorge als noch zu Alfasuds Zeiten wird der ARNA zu unrecht zum fast unverkäuflichen Gebrauchtwagen. Fahrwerk und Antrieb machen aus dem 900 kg leichten ARNA in Verbindung mit dem 1.3 oder 1.5 Liter Motor einen sehr flotten Kleinwagen.


Arna Jubilé

Arna SL

Arna SL

Vielen unbekannt ist der ARNA Jubilé. Höchstwahrscheinlich ist er das einzige offizielle Sondermodell, das es je vom ARNA gab. Der schweizer Alfa Romeo Importeur legt im Februar 1985 zur Feier des 75-jähirgen Markenjubiläums eine Sonderserie von 200 Stück auf. Der Jubilé basiert entweder auf dem fünftürigen ARNA SL oder auf dem ARNA 1.3 Ti. Er unterscheidet sich von seinen Serien-Geschwistern durch in Wagenfarbe lackierte Stoßstangen, Außenspiegel und einen ebenfalls in Wagenfarbe lackierten Kühlergrill. Auf den Flanken ist ein Zierdekors angebracht. Einzig lieferbare Farbe ist Grigio Nisida metallizzatto, auf Wunsch kann man Leichtmetallräder und ein Radio dazu bestellen. Alle Modifikationen werden bei Alfa Romeo Svizzera in Agno durchgeführt.

Rückblickend betrachtet war der ARNA für die bereits angeschlagene Firma Alfa Romeo der Todesstoß. Als Alfa Romeo Ende 1986 dann von der IRI an Fiat verkauft wird und in der Alfa Lancia S.p.a aufgeht, löst man die Verbindung mit Nissan wieder und lässt den ARNA schnellstens aus dem Programm verschwinden. Nach 53.047 Exemplaren ist 1987 Schluss.














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